Musicalgala TTL4 – eine fantastische Reise in andere Welten

Die vierte Musical-Gala „Talent trifft Leidenschaft- fantastische Welten“ liegt nun fast einen Monat zurück, doch wir zehren immer noch von den wunderschönen Erinnerungen an diesen Abend. Für uns begannen die Vorbereitungen für die Gala schon einen Tag vor dem Auftritt: LKW-Ladungen mit Requisiten und Kostümen rollten von unserem Lager in Schermbeck zur Rheinhausenhalle nach Duisburg. Das Ausladen der Großrequisiten, z.B. der Treppen und Galerien, gestaltete sich komplizierter als gedacht. Doch mit vereinten Kräften und einigen fast-Unfällen war schließen auch der letzte LKW ausgeladen und der Aufbau in der Halle konnte in Angriff genommen werden. Wir schraubten, putzten, besserten Transportschäden aus und so entstand allmählich die Kulisse für die fantastischen Welten, in die wir das Publikum am folgenden Abend entführen wollten. Nach diesem langen Tag freuten wir uns auf einige Stunden Schlaf, noch mehr aber auf die Show am nächsten Abend!

 

 

Der 5.Oktober begann für die Meisten von uns in aller Frühe, letzte Besorgungen wurden erledigt, Kostüme und Proviant gepackt. Während einige Mitglieder erst an der Rheinhausenhalle ankamen, arbeiteten andere schon emsig. Letzte Requisiten wurden vorbereitet und jeder legte sich seine Kostüme zurecht.  Für einen kompletten Durchlauf der Gala blieb keine Zeit, die Choreographien wurden auf der Bühne und im Foyer wiederholt und einige Lieder angestimmt. Langsam aber sicher machte sich unter den Darstellern eine freudige Spannung breit, die sich beim Einen mehr und beim Anderen weniger zur Nervosität steigerte. Schließlich räumten wir das Foyer und den Zuschauerraum, um uns backstage auf die Gala vorzubereiten. Make-up, Haare, Outfit; als alles saß, wurde es Zeit für uns, die Gala zu eröffnen. In unseren weißen Kostümen für den Prolog gingen wir hinter geschlossenem Vorhang auf die Bühne und warteten mit klopfenden Herzen auf den Beginn der Show. Wir lauschten im Gemurmel des Zuschauerraums nach vertrauten Stimmen und wiederholten im Kopf noch ein letztes Mal die Choreographie. Ein stummes „toi, toi, toi“ und dann… Der Vorhang öffnete sich zu den wunderschönen Klängen von Thomas Bergersens „Homecoming“ und Gruppen weiß gekleideter Proyoulerinnen und Proyouler tanzten und wirbelten über die Bühne. Kaum waren die letzten Töne verklungen, wurde der Momp (Benjamin Hübbertz-Ivartnik) sichtbar; eine kleine, mausähnliche Gestalt aus der fernen Welt Argonan, in die unser neues Musical-Projekt „Der Schlüssel“ entführt. Momp stellte sich mit seinem witzigen Lied „Ich bin ein Momp“ vor und führte die Zuschauer durch fantastische Welten. Erster Halt: das Land der unbegrenzten Möglichkeiten… „America“ wurde im ersten Song von temperamentvollen Latinas besungen, die sich nicht einig waren, ob „America“ nun das Land ihrer Träume war oder sie doch besser in ihrer Heimat Puerto Rico bleiben sollten.  Feierabendstimmung kam beim zweiten Act „Footloose“ auf: Sekretärinnen in Bleistiftröcken und Highheels trafen auf Bauarbeiter in Blaumännern, die natürlich die Chance auf einen heißen Flirt witterten, aber bis zum Schluss keinen Erfolg mit ihren Anmachsprüchen hatte und auf Granit bissen. Bei diesem Song wurden die Proyouler von Thomas Auth und Daniel Otta unterstützt, die mit ihren Breakdance-Moves beeindruckten. Der Film „Club der Teufelinnen“ handelt von Frauen in den besten Jahren, die von ihren Ehemännern gegen jüngere Gefährtinnen ausgetauscht wurden. Sie planen, sich zu rächen und machen sich Mut mit dem Song „You don’t own me“, der auf der Gala von den vier nicht minder starken Proyoulerinnen Eva Koischwitz, Sonja Alefs, Pia Röhrig und Sonja Röhricht performt wurde. Es folgte ein Ausflug in die USA der 60er Jahre, wo eine weibliche farbige Dreiercombo die Showbühnen mit ihrem Gesang erobern wollte. Die Proyou-„Dreamgirls“ Nicole Kuhnke, Patricia Kepert und Maike Lippert brachten den Song „One night only“ in aufsehenerregenden Glitzerkostümen auf die Bühne der Rheinhausenhalle. Nach diesen Showacts kehrte für einen Moment Ruhe ein, als „Du gibst mir Halt“ angestimmt wurde, ein Lied, das im Musical  „The Scarlett Pimpernelle“ von Bruder (Dennis Schäfer) und Schwester (Pia Röhrig) gesungen wurde, als sie auf die Hinrichtung durch die Guillotine warteten. Ein Musical, das auf einer Amerikareise natürlich nicht fehlen darf, ist „Rent“. Der Ohrwurm-Song „Another Day“, den Sascha Lenhard, Marijke Mengler, Patricia Giering und Sebastian Franke an diesem Abend performten, behandelte das ernste Thema HIV und Liebe.

 

Dem Momp wurde angst und bange, als er sich unversehens im Gefängnis wiederfand. Mörderinnen stellten sich auf der Bühne auf und kamen aus dem Zuschauerraum, um den „Zellenblocktango“ aus dem Musical „Chicago“ darzubieten. In biederen und doch sehr freizügigen Kostümen erklärten die selbstbewussten Insassinnen (Mareike und Jasmin Janß, Sonja Alefs, Nicole Scharte, Nicole Kuhnke und Maike Lippert), wie und warum sie ihre Ehemänner und Freunde umgebracht haben, aber trotzdem unschuldig sind: „Wir wetten, Sie hätten’s auch getan!“ wurde dem Publikum vorgeworfen, das diese verruchten Mörderinnen mit viel Applaus belohnte. Als der Momp sich von den Gitterstäben befreit hatte, wurde das Publikum in den 60er Jahren begrüßt und die Bühne der Rheinhausenhalle verwandelte sich in eine bunte Einkaufsstraße für Tracy (Dennis Schäfer) und ihre sehr maskulin wirkende Mutter Edna (Markus Majewski) aus dem Musical „Hairspray“. Nach einem Outfitwechsel konnte dann auch das Mutter-Tochter-Gespann in den „Sixties“  willkommen geheißen werden. Sehr amerikanisch präsentierte sich Sonja Röhricht als „American Woman“, die den Männern den Kopf verdrehte. Für die TTL4 Gala haben sich die Vereinsmitglieder für zwei Songs nach Geschlechtern aufgeteilt. Die weibliche Gruppe zeigte sich als nervöser Nonnenchor, der zunächst engelsgleich sang und dann mit dem schwungvollen „Hail Holy Queen“ aus dem Musical „Sister Act“ aufwartete. Gänsehaut bescherte „Bui Doi“ aus „Miss Saigon“. Der Männerchor aus Proyoulern besang die Kinder, die während des Vietnamkriegs von amerikanischen Soldaten mit vietnamesischen Frauen gezeugt und für ihre Herkunft verachtet und gequält wurden. Mit diesem bewegenden Lied endete die Reise durch Amerika.

 

Mareike Janß erkannte als Amneris im nächsten Song „Die Wahrheit“ über ihre Liebe zum künftigen Pharao von Ägypten und sah, dass ihr Verlobter eine Andere, nämlich die nubische Prinzessin „Aida“, liebte. Nach diesem berührenden Zwischenstopp in Ägypten führte Momp das Publikum zu seinem nächsten Reiseziel Afrika. Der böse Löwe Scar (gespielt von Sebastian Modrow) plante dort, seinen Bruder Mufasa, den König der Löwen, von seinem Thron zu stürzen. Im ersten Lied der Afrikareise „Seid bereit“ rief er die Hyänen auf, ihm zu folgen. Es schloss sich der Klassiker aus dem Musical „König der Löwen“ „Er lebt in dir“ an, den Sebastian Modrow gemeinsam mit Nicole Kuhnke sang, während das Proyou-Ensemble in fantasievoll zerrissenen Kleidern eine ausdrucksstarke Choreographie präsentierte.

 

Der erste Akt endete im Frankreich des 19.Jahrhunderts, wo sich viele Studenten zur Revolution gegen den Adel erhoben. Fantine, eine ehemalige Fabrikarbeiterin, hatte ihre Arbeit verloren und war gezwungen, sich zu prostituieren, um für den Lebensunterhalt ihrer Tochter aufkommen zu können. Miriam Cos sang in der Rolle der Fantine über verlorene Träume und ihre Vergangenheit („Ich hab geträumt“). Im nächsten Lied aus „Les Misérables“ wurde nicht über Vergangenes sondern über die Zukunft gesungen: „Morgen schon“ wollten die Studenten eine Revolution anzetteln und für Gerechtigkeit kämpfen. Das Volk Frankreichs versammelte sich auf der Bühne, baute Barrikaden auf und kam aus dem Zuschauerraum, um Waffen an alle Freiwilligen zu verteilen. Nach diesem Lied gab es schon vor der Pause Standing Ovations, sodass beinahe das letzte Lied des ersten Aktes unterging: Mit dem Epilog aus „Les Misérables“ und die Aussicht auf „einen neuen Tag“ wurde schließlich das Publikum in die Pause verabschiedet.

 

Hinter der Bühne wurde der Ablauf des ersten Akts während der Pause natürlich diskutiert und analysiert, während Zeit für einen Kostümwechsel, ein neues Make-up und eine kleine Stärkung war. Sehr schnell erklang die Glocke und der Zuschauerraum füllte sich wieder.  Nach Amerika, Ägypten, Afrika und Frankreich führte der Momp nun in fantastische Welten, die man mit dem Flugzeug normalerweise nicht erreichen kann. Nicht ganz einen Tag, aber ein Lied lang durften die Zuschauer in der grünen Smaragdstadt aus dem Musical „Wicked“ verweilen. In originellen grünen Kostümen begrüßten die Bewohner der Smaragdstadt tanzend die Hexen Glinda (Patricia Kepert) und Elephaba (Melanie Heidt), die dem Zauberer von Oz einen Besuch abstatten wollten.  Im zauberhaften Land von Wicked musste auch der Momp einige Veränderungen über sich ergehen lassen. Galinda (Melanie Reich) zeigte ihm die Kunst des „Heißgeliebt“-Seins und sparte nicht mit „Tipps und Tricks für Flirt und Flair“. Mit einer reizenden pinken Blume im Strubbelhaar sah der Momp am Ende des Liedes tatsächlich ein wenig hübscher aus. Die heitere Stimmung wechselte zu einer düsteren, als der Tod, gespielt von Christoffer Klejewski, auf der Hochzeit von Kaiserin Elisabeth nach dem „letzten Tanz“ mit der Braut (Mareike Janß) verlangte. Totentänzer in schwarzen Kostümen und Hochzeitsgäste in ihren Festgewändern ließen die Szenerie noch realer erscheinen. Nicole Scharte und Sonja Röhricht präsentierten sich im nächsten Act in fantasievollen Kostümen als „Eisblumen“, die nur in der Nacht blühen. Zum Abschluss der Reise durch diese fantastischen Welten machte der Momp, Benjamin Hübbertz-Ivartnik, einen Sprung zurück nach Afrika und sang den Titel „Endlose Nacht“ aus „König der Löwen“, in dem Simba, der zukünftige König der Steppe, seinen verstorbenen Vater um Rat fragte. Während dieses bewegenden Liedes herrschte hinter der Bühne Aufregung, da spätestens nun alle Darsteller in die Kostüme für den „Schlüssel“, unser Musicalprojekt des nächsten Jahres, schlüpften. Nicole Kuhnke betrat als Protagonistin Lilly Clé die Bühne. In einem englischen Waisenhaus aufwachsend, war Lilly von ihren französischen Verwandten aufgespürt und eingeladen worden, vor deren „Schloss am Rand der Welt“ sie nun angekommen war. Sie sang von ihren Träumen und hoffte, in diesem Schloss nun endlich ihr Glück zu finden. Doch leider erfüllten sich Lillys Wünsche nicht, denn im folgenden Lied „Kind im Haus“ wurde deutlich, dass das Schlosspersonal sich nicht im Geringsten auf das Waisenmädchen freute, denn was konnte ein Kind anderes verursachen als Chaos? Vor einer beeindruckenden Kulisse mit imposanten Treppen und einer Fenstergalerie putzte das Personal überwacht von der Haushälterin Madame Duprais (Mareike Janß), um das Schloss für den jungen Gast vorzubereiten.  Nach dieser kalten Begrüßung wurde Lilly in der folgenden Szene auch noch beschuldigt, in der Nacht ein Schmuckstück ihrer Tante Sylvia Mauvin (Anika Ehlers) gestohlen zu haben. Monsieur Mauvin (Dennis Schäfer) wies seine Nichte für diesen Verstoß gegen die zuvor aufgestellten Regeln zurecht. Lilly Clé fühlte sich im Schloss nicht willkommen und ungewollt. In der Reprise des ersten Lieds „Schloss am Rand der Welt“ zeigte Lilly ihre Verzweiflung und bereute, ihren Freunden und dem Waisenhaus den Rücken gekehrt zu haben. „Nun bin ich ganz allein“, sang sie. Aber war sie allein? Wer war die mysteriöse Frau (Patricia Kepert), die in ihren Gesang  einstimmte? Noch rätselhafter wurden die Begebenheiten im Schloss, als Geisterfrauen und -männer in prachtvollen Kostümen auf der Bühne einen „Geisterball“ veranstalteten.  Schließlich durften die Zuschauer die Heimat des Momp, Argonan, kennenlernen. Lilly und ihre Freunde, der Gärtner Pete (Sebastian Ivartnik) und die Köchin Margreth (Sonja Röhricht), waren durch eine geheimnisvolle Tür im Schloss nach Argonan gelangt.  Im „Dorf der Momperi“, wo Momp wohnte, begrüßten seine Artgenossen Lilly und ihre Freunde mit einer Suppe, die von Köchin Margeth prompt mit einer Prise Salz verfeinert wurde. Doch das fröhliche Treiben im Dorf wurde jäh unterbrochen, als Nächtler die Momperi überfielen. Bazriel (Christoffer Klejewski), der böse Herrscher, der Argonan unterworfen hatte, wies in der folgenden Szenerie  seine Assassine Nereide (Melanie Reich) an, ihm Lilly zu bringen. Laut einer Prophezeiung handelte es sich nämlich bei Lilly Clé um das Mädchen, das in der Lage war, die Völker Argonans von der Unterdrückung zu befreien. Um die wichtige Rolle von Lilly wussten auch die anderen Bewohner Argonans. Kerberos (Sebastian Modrow), Heerführer der Satyre, Gayia (Maike Lippert), Königin der Eyda und ihre Tochter Lithalil (Melanie Heidt), Heerführerin des eydischen Volkes, sangen in den Kristallwäldern über Lilly als „einzigen Stern, der die Rettung verheißt“. Auch Lillys Freund Pete (Sebastian Ivartnik) war bereit, für die Freiheit Argonans und für Lilly in den Kampf zu ziehen und hob sein „Schwert für sie“. Dem Aufruf zum Kampf für die Freiheit Argonans folgten auch die Völker Argonans und versammelten sich in ihren magischen Kostümen auf der Bühne. Sie zogen ihre Waffen in „Schatten über uns“, um Lilly zu helfen, die bösen Mächte zu stürzen. Dieser kleine Ausschnitt aus dem „Schlüssel“ erntete großen Beifall und weckte die Vorfreude auf das komplette Stück im Oktober 2014.

 

 

Dem Wunsch des Publikums nach einer Zugabe konnten wir natürlich nachkommen und präsentierten noch in unseren traumhaften „Schlüssel“-Kostümen Xavier Naidoos Hit „Bitte hör nicht auf zu träumen“. Denn das ist unser Traum für die Zukunft: eine fantastische Premiere des Mysticals „Der Schlüssel“ im Oktober 2014 mit einem ebenso tollen Publikum wie bei dieser vierten Musicalgala.